seit 1905

Lothar Griesbach

(1929-2010)
Lothar Griesbach

Lothar Griesbachs künstlerische Entwicklung beginnt in der unmittelbaren, gerade auch im kulturellen Bereich durch chaotische Verhältnisse bestimmten Nachkriegszeit. Die ersten Arbeiten, die entstanden, sind Aquarelle, in denen der noch nicht Zwanzigjährige, der aus bescheidenen Verhältnissen stammt, neben Stilleben die ihn umgebene Landschaft der Bergstrasse festhält.

Aquarelle, die an die Malerei des von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamierten deutschen Expressionismus anknüpften und bereits die sich entwickelnde Handschrift des jungen Künstlers in der freien, vom Vorbild weitgehend losgelösten, Form und Farbe eigenwertig behandelnden Gestaltungsweise zeigen. Der drängende Wunsch, seine künstlerischen Begabungen zu folgen und sie auszubilden, führt Griesbach nach den autodidaktischen Anfängen bereits 1945/46 an eine private Zeichenschule in Frankfurt am Main. und anschließend an die Lehrwerkstatt für bildende Kunst, die Spätere Werkschule in Darmstadt. "Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so" - nicht für Griesbach, der sich nach bereits kurzer Zeit gezwungen sieht, nach einem Brotberuf Ausschau zu halten.

Der kurzen Zeitspanne, die er in Frankfurt und Darmstadt verbringt, kommt insofern Bedeutung zu, als sie ihm die Möglichkeit bietet, mit anderen Künstlern zu verkehren und zu arbeiten, das heißt die Isolation, in der er bisher künstlerisch arbeitete, zeitweilig zu durchbrechen. Darüber hinaus nutzt er die Möglichkeit, sich über die nach der Währungsreform und der Gründung der Bundesrepublik 1949 überhaupt erst zugängliche internationale Kunstliteratur mit der aktuellen Kunst, vor allem der Frankreichs, vertraut zu machen.

Paris ist das Zentrum der westeuropäischen, von Tachismus und Informel dominierten Kunstszene; hier arbeiten Wols, Georges Mathieu, Hans Hartung und viele andere. Ein Aufenthalt in Paris 1952 und ein lockerer Kontakt zur Zimmergalerie von Klaus Franck in Frankfurt am Main vermitteln Griesbach entscheidende Impulse. Unter den Werken französischer und deutscher abstrakter Malerei, die Franck von 1949 bis 1954 in zwei Räumen seiner Privatwohnung ausstellt, kommt der sich unter dem Namen "Quadriga" zusammenschließende Künstler Otto Greis, Heinz Kreutz, Bernhard Schultze und Karl Otto Götz besondere Bedeutung zu. Unter dem Titel "Neuexpressionisten" findet 1952/53 deren erste Gruppenausstellung statt, die heute als Schlüsselereignis des deutschen Informel gilt. Wie diese Künstler findet auch Griesbach zur Ungegenständlichkeit und zu einer Schaffensweise, die auf die gestische Qualität der Form und der expressiven Gehalt der Farbe setzt; darüber hinaus werden Materialien wie Gips und Sand mit einbezogen. Bis in die sechziger Jahre hinein entsteht eine große Anzahl informeller Werke: Ölbilder, Tempera-Arbeiten und Tusche-Zeichnungen. Gleichgesinnte Gesprächspartner findet Griesbach in den fünfziger Jahren in den ebenfalls an der Bergstrasse arbeitenden Malern Eberhard Schlotter (Darmstadt) und Horst Antes (Heppenheim).

Nach Ausbildung und mehrjähriger Tätigkeit als Filmplakatmaler und einer anschließenden kurzen Tätigkeit als freier Werbegraphiker arbeitet Griesbach seit 1961 im technischen Bereich. Die in diesem Metier gemachten Erfahrungen begünstigten sich in den sechziger Jahren rasch vollziehende Entwicklung in Griesbachs Werk hin zu einer konkret-konstruktiven, dabei ausgeprägte eigenständigen Malerei. Diese individuelle Entwicklung geht mit einer von vielen zeitgenössischen Künstlern vollzogenen Abkehr vom Informel; man denke zum Beispiel an Werke von Horst Antes, Karl Georg Pfahler und Peter Brüning. Bei Griesbach gehen Formen und Farben jetzt eine feste Bindung ein. So überziehen etwa Bündel von meist innerhalb einer Farbe abgestuften Streifen die Leinwand in unterschiedlichen Richtungen, kreuzen geometrische Formen beziehungsweise bilden diese selbst. Einflüsse der Op Art machen sich bemerkbar. Konsequenterweise wendet sich der Maler in der Phase seines Schaffens auch dem Siebdruck zu. In den gleichzeitig entstehenden Zeichnungen konfrontiert er seine konstruktiven Gebilde mit realistischen Versatzstücken; ein Experiment, das die Auseinandersetzung des Künstlers mit der durchaus zwiespältig erfahrenen Zivilisation zeigt, von ihm aber nicht weiter verfolgt wird.

Die schlüssige Weiterentwicklung der in der späten sechziger und siebziger Jahren gefundenen Bildlösungen führt schließlich zu immer reduzierteren, ruhigen, meditativen Gemälden von außerordentlicher Suggestionskraft. Die Bilder sind jetzt überwiegend monochrom, wobei der Farbe Blau eine besondere Bedeutung zukommt. In kleinen Pinselstrichen aufgetragen, entwickelt sich die Farbe von den Bildrändern her - oft aus dem Schwarz heraus - über immer größere Helligkeitswerte - mitunter bis zum weiß - hin zu einem von ihm gesetzten Bildzentrum. Die so entstehende räumliche Wirkung wird häufig durch den sparsamen Einsatz graphischer Zeichen, die, indem sie auf das Bildzentrum verweisen, Bildfläche und Bildraum in ein harmonisches, "schwebendes" Verhältnis zueinander bringen. Überhaupt steht das Streben nach Harmonie, nach Ausgewogenheit der Komposition jetzt hinter jeder künstlerischen Äußerung Griesbachs. dies gilt auch für die immense Anzahl der das Arbeiten in Öl ständig begleiten - den Tempera-Arbeiten und Tusche-Zeichnungen, in denen der Künstler auf virtuose Weise frei seine Ausdrucksmöglichkeiten verfügt.

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